E-Bikes für Senioren

Gerade für Menschen im fortgeschrittenen Alter bieten Pedelecs, besser bekannt als E-Bikes, eine klasse Möglichkeit, um sich sportlich zu betätigen und an der frischen Luft zu sein. Durch die sanfte Motor-Unterstützung und die dadurch etwas höheren Geschwindigkeiten gelingen längere Touren leichter und Sie können einfacher mit Freunden und der Familie mithalten.

Aber bei Pedelecs kommen bei vielen älteren Menschen auch Ängste auf, die Sie daran hindern den Kauf zu wagen: Wie gehe Ich richtig mit der höheren Geschwindigkeit um? Wie bediene Ich die komplizierte Elektronik? Was ist überhaupt ein gutes Pedelec, worauf sollte Ich beim Kauf achten? Und wo kann Ich eins kaufen? Diese Fragen wollen wir in diesem Beitrag beantworten, um zu zeigen, dass ältere Menschen sich nicht vor E-Bikes scheuen müssen und diese gerade für Menschen in dieser Altersgruppe große Vorteile bieten.

Warum sich ein E-Bike im Alter lohnt

Viele Senioren plagen diverse Beschwerden, die es ihnen erschweren, sich regelmäßig zu bewegen. Ein E-Bike ist eine ideale Wahl, um in Bewegung zu bleiben, und es wurde bereits in mehreren Studien gezeigt, dass schon regelmäßiges, leichtes E-Bike fahren das Herzinfarktrisiko senkt, Rückenschmerzen vorbeugt und die Gelenke stärkt. Zudem hilft E-Bike Fahren auch noch bei Asthmabeschwerden und fördert das Herz-Kreislauf System.

Alles wichtige Aspekte, die noch ergänzt werden durch psychische Vorteile aufgrund der Zeit an der frischen Luft. Auch sehr praktisch an einem E-Bike ist, dass durch die elektrische Unterstützung auf einmal deutlich mehr Kilometer für Touren möglich sind, plötzlich ist ein ganz neuer Bewegungs-Radius denkbar.

Vielleicht wollten Sie mal wieder an den nahegelegenen See und wieder zurück, aber das ist Ihnen mit einem normalen Fahrrad zu anstrengend? Mit einem Pedelec gelangen Sie ohne ins Schwitzen zu kommen an Ihr Ziel. Mit einem E-Bike sind Sie außerdem unabhängiger, da Sie kein Auto mehr benötigen, um in die Stadt zu kommen. Alles in allem kann ein Pedelec Ihnen also neue Freiheit und Lebensfreude schenken.

Das richtige E-Bike für Senioren

Die Vorteile waren Ihnen vielleicht schon klar, aber eine andere Frage plagt Sie noch: Was ist das richtige E-Bike für Senioren? Oder: Gibt es E-Bikes für alte Leute? Nun, spezielle Pedelecs für alte Menschen gibt es nicht, aber es gibt definitiv einige Merkmale, auf die Sie achten sollten für ein altersgerechtes E-Bike.

Ein leichter Auf- und Abstieg bietet hohen Komfort und Sicherheit, daher ist ein E-Bike mit Tiefeinsteiger- oder Wave-Rahmen optimal, da bei diesen Rahmenformen beim Aufsteigen oder Absteigen kein Oberrohr im Weg ist. Für die richtige Sitzhaltung ist es besonders wichtig Sattel, Lenker und Pedale richtig einzustellen. Dies wird Ihnen meist vor der ersten Fahrt von ihrem (Online)-Händler abgenommen. Gerade für Menschen mit Rückenproblemen ist eine aufrechte Sitzhaltung gut, wie sie E-Bikes mit tiefem Einstieg bieten.

Für eine angenehme Gewichtsverteilung empfehlen wir ein E-Bike mit einem Mittelmotor. Nahezu alle aktuellen E-Bikes besitzen modernste hydraulische Felgen- oder Scheibenbremsen, die Sie mit nur sehr geringer Handkraft bedienen können. Wenn es Scheibenbremsen an Ihrem E-Bike werden müssen Sie diese nach dem Kauf erst einmal richtig einbremsen, das geht jedoch sehr einfach. Rücktrittbremsen sind gerade bei Senioren beliebt, von diesen sollten Sie aber unbedingt absehen, da das Bremsen per Hand deutlich sicherer und präziser ist, gerade bei den höheren Kräften, die bei einem E-Bike wirken.

Zu beachten ist bei Elektro-Fahrrädern definitiv das hohe Gewicht: Da Pedelecs meist zwischen 20 und 30 Kilogramm schwer sind, ist es schwierig bis unmöglich, diese zum Beispiel Treppen hoch und herunterzutragen. Was man also beim Stellplatz beachten muss, besprechen wir im folgenden Abschnitt.

Woher bekomme ich ein E-Bike und was brauche ich zu Hause?

Das bereits angesprochene hohe Gewicht sollten Sie beachten, wenn es darum geht, wo Sie Ihr E-Bike zu Hause abstellen möchten. Das neue E-Bike mal eben in den Keller bringen wird schwierig und ist gerade nach einer längeren Tour kräftezehrend. Daher ist eine gut zugängliche und verschließbare Garage, ein Schuppen o.Ä. ideal, die den zusätzlichen Vorteil bietet, dass im Falle eines Diebstahls in der Regel Ihre Hausrat-Versicherung zahlt.

Wenn der Akku des E-Bikes nicht entnehmbar ist, ist es wichtig, dass Sie an Ihrem Stellplatz aucheine Lademöglichkeit haben, um Ihr Rad wieder mit neuer Energie zu versorgen. Wie Sie ansonsten mit ihrem Akku umgehen sollten, haben wir hier ausführlich besprochen. Kurzum: Der Akku sollte an einem Ort lagern, der zwischen 10 und 25 Grad warm ist und nicht zu feucht ist.

Ein neues Pedelec können Sie gut beim Fahrradhändler ihres Vertrauens beziehen, der Ihnen mit Rat und Tat zur Seite steht, was die richtige Form und Einstellung des Fahrrads für die Bedürfnisse älterer Menschen betrifft. Oftmals finden Sie die gleichen Pedelec-Modelle wie im Handel zu günstigeren Preisen online im Internet (gerne auch über unsere Website). Das E-Bike kommt dann zu 90-95 % vormontiert bei Ihnen zu Hause an und Sie müssen nur noch wenige Handgriffe selbst tätigen, bevor Sie starten können.

Wie bediene ich ein E-Bike?

Radler im Sonnenuntergang

Die Elektronik eines E-Bikes ist dessen Herzstück und daher unverzichtbar. Die wichtigsten Voreinstellungen der Elektronik werden vom Hersteller bereits getroffen, damit das Pedelec ideal für das Einsatzgebiet angepasst ist. Die restlichen Einstellungen können, sofern vorhanden, über das Display des E-Bikes getroffen werden.

Die Unterstützungsstufe, mit der Sie der Motor unterstützt, kann in verschiedenen Stärken gewählt werden und wichtige Informationen wie der Akkustand werden angezeigt. Die Bedienung des Displays können Sie von ihrem Fahrradhändler oder aus der beigefügten Bedienungsanleitung entnehmen. Das sollte aber schnell gehen, denn mit nur wenigen Klicks haben Sie alles Nötige eingestellt.

Bevor Sie losfahren, ist es noch wichtig zu wissen, wie Sie richtig und sicher mit dem Pedelec fahren. Vor dem Start sollten die Pedale auf der gegenüberliegenden Seite ihres Standbeins auf mittlerer Höhe vorne stehen, damit gleich nach dem Aufsteigen der Motor wirkt und Sie gut vom Fleck kommen.

Nach dem Aufsteigen sollten Sie Sich nicht direkt hinsetzen sondern vor allem den ersten Tritt noch im Stehen erledigen – das bietet mehr Stabilität. Beim Bremsen sollten Sie stets mit beiden Händen gleichstark bremsen und vor dem Halten ihr Standbein schon leicht rausstrecken. All diese Tipps zum sicheren Fahren mit einem E-Bike können Sie übrigens auch bei einem Fahrsicherheitstraining erlernen, die vielerorts angeboten werden.

Sicherheit durch E-Bike Fahrtrainings

In vielen Kreisen und Städten werden von lokalen Fahrradverbänden, wie beispielsweise dem ADFC, in Kooperation mit der Polizei oder anderen Institutionen Sicherheitstrainings für Pedelecfahrer angeboten. Diese Kurse sind ähnlich wie Fahrsicherheitstrainings für PKW-Fahrer, die manche vielleicht vom ADAC kennen, und der Unfallpräventionen dienen. Ob es solche Angebote bei Ihnen in der Nähe gibt, können sie am besten bei lokalen Fahrradverbänden oder mit einer schnellen Google-Suche erfahren.

Wir haben ein solches E-Bike Sicherheits-Training für Sie einmal ausprobiert – die Details können dabei natürlich je nach lokalem Angebot variieren. Beim Bonner ADFC gab es in Kooperation mit der Polizei und der lokalen VHS ein Pedelec-Training für drei Stunden, das 29 Euro kostete. Für Menschen, die kein eigenes Pedelec besitzen, konnte bei der Anmeldung angegeben werden, dass man ein E-Bike für das Training benötigt. Unser Tester wurde bei der Ankunft direkt umsorgt und erhielt ein nagelneues Pedelec, das mit Hilfe der ADFC-Freiwilligen passgenau auf Ihn eingestellt wurde.

Nach kurzer Einweisung in die Bedienung des Pedelecs ging es los: Zunächst wurden ohne Motorenunterstützung das richtige Aufsteigen und das Bremsen mit beiden Händen geübt. Nachdem dies mit Tipps und Tricks der ADFC-Mitglieder von allen Teilnehmern gemeistert wurde, wurde der Motor eingeschaltet und die verschiedenen Unterstützungsstufen im verkehrsberuhigten Feld erprobt.

Um die Motor-Unterstützung in Kombination mit den verschiedenen Gängen besser kennenzulernen, wurde ein leichter Anstieg erklommen. Bergab wurde das so genannte  Stotterbremsen geübt, um sicher und kontrolliert mit dem E-Bike zu fahren. Während der Tour durch das Feld wurden vom teilnehmenden Polizisten aus dem Bereich der Unfallprävention die wichtigsten Verkehrszeichen für Pedelec-Fahrer erläutert .

Während des Fahrens gab es immer wieder kurze Pausen, die genutzt wurden für die Erklärung für das sichere Bremsen und andere wichtige Fahrtechniken für das Bedienen eines E-Bikes. Gegen Ende des Trainings wurden weitere nützliche Informationen zu Themen wie E-Bike Versicherung, E-Bike Akku und Fahrradhelmen erläutert mit eigenen Erfahrungen der ADFC-Mitglieder.

Das Training war eine prima Gelegenheit, um das Pedelec-Fahren kennenzulernen und Ängste abzubauen, die gerade Senioren bei diesem Thema plagen. Das eigene oder geliehene Pedelec konnte in den drei Stunden in entspannter Atmosphäre unter der Anleitung von Profis sehr genau kennengelernt werden, damit man nach diesem Training mit mehr Selbstvertrauen in den Straßenverkehr starten kann.

Sicherheitscheckliste

Zu guter Letzt haben wir Ihnen noch eine Sicherheitscheckliste zusammengestellt, die nicht nur für ältere Menschen und Senioren, sondern generell für alle E-Bike Fahrer wichtig ist. Kommen wir zunächst zur Ausrüstung für ein verkehrssicheres E-Bike. Neben einem Vorder- und Rücklicht nach StVO-Standard, müssen auch die Speichen Ihres Pedelecs mit Reflektoren ausgestattet sein.

Dabei gilt: Je mehr desto besser, denn bei schlechten Sichtverhältnissen ist die richtige Beleuchtung und Sichtbarkeit Gold wert. Um auch persönlich nachts besser sichtbar zu sein ist es empfehlenswert, eine Warnweste und/oder andere reflektierende Elemente zu tragen. Mittlerweile gibt es auch reflektierende Helme, die Ihre Sichtbarkeit weiter erhöhen. Apropos Helm: Tragen Sie bitte immer einen, denn Sie leben nur einmal!

Der richtige Stellplatz ist enorm wichtig für die Langlebigkeit und Sicherheit Ihres Pedelecs. Sie benötigen einen gesicherten Raum, in dem Ihre Versicherung gilt (bitte prüfen Sie Ihren Versicherungsschein, je nach Versicherer müssen teurere E-Bikes hier ergänzt werden), und der idealerweise zwischen 10 und 25 Grad warm ist für die optimale Lebensdauer Ihres Akkus.

Wenn der Ort während mancher Jahreszeiten zu warm oder kalt ist, bauen Sie Ihren Akku am besten aus und verwahren diesen in Ihrer Wohnung. Noch ein Tipp: Wenn Sie Ihr Pedelec hinten am Auto transportieren, bauen Sie unbedingt den Akku aus, da im Falle von Regen kleine Wassertropfen in die Elektronik eindringen können.

Beim Thema Sicherheit spielt auch das Thema Versicherung eine große Rolle. Für einen reibungslosen Ablauf im Falle eines Pedelec-Diebstahls empfehlen wir, dass Sie für Ihr Zweirad einen Fahrradpass anlegen. Dort haben Sie alle wichtigen Daten, wie Ihre Rahmennummer etc., Ihres Pedelecs hinterlegt und können im Falle eines Diebstahls direkt über die App eine Anzeige an die Polizei aufgeben.

Des Weiteren empfiehlt es sich, das eigene Pedelec kodieren zu lassen. Dies wird meist für ca. 15 Euro von lokalen Fahrradverbänden (nicht von der Polizei) angeboten. Durch eine Kodierung wird Ihr Pedelec so weit personalisiert, dass Sie dieses nur mit einer Lizenz, die Sie am besten zu Hause verwahren, verkaufen können. Für weitere Informationen dazu wenden Sie Sich am besten an Ihren lokalen Fahrradverband.

Für längere Touren ist es sehr wichtig, wenn Ihr Pedelec einen Gepäckträger besitzt, an den auch Gepäcktaschen gehängt werden können. Zudem sind Schutzbleche gerade für Touren auf unbetonierten Wegen sinnvoll, damit der aufgewirbelte Schlamm nicht Ihre Hose trifft. Bei längeren Touren ist es zudem empfehlenswert einen Ersatzschlauch dabei zu haben, falls man diesen wechseln muss.

Fazit

Pedelecs bzw. E-Bikes benötigen etwas mehr Eingewöhnung als ein „normales“ Fahrrad, sind aber nicht so gruselig, wie manche Senioren vielleicht denken. Die hier vorgestellte Möglichkeit eines Pedelec-Fahrtrainings kann in ruhiger Atmosphäre ein erstes Selbstvertrauen und die nötige Sicherheit schaffen, um anschließend am Straßenverkehr mit einem E-Bike teilzunehmen.

Die Bedienung von Pedelecs kann Ihnen von Ihrem Händler oder der Bedienungsanleitung in kurzer Zeit erklärt werden. Mit einer guten Beleuchtung und reflektierender Kleidung sind nicht nur ältere Menschen, sondern alle Fahrradfahrer besser geschützt. Senioren brauchen keine Angst vor E-Bikes zu haben, denn die gesteigerte Mobilität kann ein wahrer Segen für Ihren Bewegungsradius und die Gesundheit sein. Noch ein letztes Anliegen: Auch wenn Sie es vielleicht gewöhnt sind, überwinden Sie Sich bitte, ein Pedelec ohne Rücktrittbremse zu kaufen, da diese deutlich sicherer sind.