E-Bike Bremstypen

Die höheren Geschwindigkeiten von E-Bikes machen starke und verlässliche Bremsen zu einem Muss. Bei mechanischen Zweirädern gab es in den letzten Jahren einige wichtige Entwicklungen, wie bspw. hydraulische Felgen- oder Scheibenbremsen, von denen die aktuellen E-Bikes profitieren können.

Mechanische Bremsen mit ihren Seilzügen sind am E-Bike quasi ausgestorben, da ihre hydraulischen Counterparts, die mit Bremsflüssigkeit arbeiten, ein deutlich stärkeres Bremsverhalten zeigen. In diesem Beitrag zeigen wir Dir die wichtigsten Bremstypen mit ihren Vor- und Nachteilen, damit Du beim Kauf Deines E-Bikes gut informiert bist.

Wie finde Ich die richtige Bremse?

Die Frage, welcher Bremsen-Typ für Dich die richtige Wahl ist, ist natürlich am besten individuell bei einer Probefahrt zu beantworten. Wir versuchen Dir hier trotzdem ein erstes Gefühl zu geben für die Stärken der verschiedenen Bremsenarten. Generell lässt sich sagen, dass die Suche nach der richtigen Bremse bei E-Bikes für Dich schon erledigt wurde, da die Hersteller ein gutes Gefühl dafür haben, welche Bremse das jeweilige E-Bike braucht. Darüber hinaus wurde Dein E-Bike gerade bei Markenherstellern etliche Male getestet und somit auch die Bremse.

Bremsstärke und Verzögerung

Trotzdem gibt es einige wichtige Werte und Eigenschaften, die für Dich interessant sind. Um die Eigenschaften kümmern wir uns im weiteren Verlauf, aber was die Werte angeht, gibt es einmal die Bremsstärke und die Verzögerung. Die Bremsstärke wird simultan zum Motorendrehmoment in Newtonmetern (Nm) gemessen. Je höher dieser Wert, desto stärker ist die Bremswirkung.

Die Verzögerung ist ein weiteres Maß für die Bremskraft und gibt die negative Beschleunigung an. Die Verzögerung kann in m/s2 angegeben werden und beschreibt den Weg, den Du zum Stillstand brauchst.

Rücktrittbremse

Die Rücktrittbremse ist eine sehr beliebte Variante, um sicher zum Stehen zu kommen. Die Bremseigenschaften lassen zwar zu wünschen übrig im Vergleich zu modernen Scheiben- oder Felgenbremsen, aber der Gebrauchskomfort ist bei Rücktrittbremsen ein klarer Vorteil. Auch wenn diese Art der Bremsen nicht mehr so verbreitet ist wie in früheren Zeiten, findest Du Rücktrittbremsen auch heute noch vor allem im Bereich der City E-Bikes.

Rücktrittbremsen liefern bei allen Witterungsbedingungen gute Verzögerung und sind daher nicht anfällig für Nässe. Diese Art der Bremsen ist aber leider nicht mit Kettenschaltungen kompatibel, was die Einsatzmöglichkeiten limitiert. Daher wirst Du im Bereich der E-Mountainbikes nie auf diesen Bremsentyp stoßen, da dort ausschließlich Kettenschaltungen Anwendung finden. Bei bergigen Touren kommen Rücktrittbremsen an ihre Grenzen, da gerade bei Abfahrten die entstehende Wärme durch andauerndes Bremsen nicht gut entweichen kann. Dadurch überhitzt die Bremse und die Bremsstärke verschlechtert sich.

Hydraulische Scheibenbremse

Scheibenbremsen sind am Auto schon ewig etabliert und so fanden erste Experimente in der Mountainbike-Szene der 90er Jahre statt. Die ersten Scheibenbremsen waren sehr schlecht und vor allem teuer, aber dank kontinuierlicher Weiterentwicklung hat sich diese Bremsenart in vielen Fahrrad und E-Bike Kategorien zur State-of-the-Art Bremse entwickelt.

Scheibenbremse

Eine hydraulische Scheibenbremse muss am Anfang vernünftig eingebremst werden, um die optimale Bremsleistung erzielen zu können, Verschleiß vorzubeugen und unangenehme Geräusche zu vermeiden. Als Bremsflüssigkeit empfiehlt es sich Mineralöl zu verwenden, da dieses bessere Eigenschaften aufweist und fast nie ausgetauscht werden muss.

Die Vorteile einer hydraulischen Scheibenbremse sind eine hohe und präzise Bremsleistung, sowie eine gute Dosierbarkeit der Bremskraft. Zudem brauchst Du bei einem E-Bike mit einer Scheibenbremse nur eine geringe Handkraft, um diese hohe Bremskraft abzurufen. Scheibenbremsen sind sehr wartungsarm, da die Bremsbeläge anders als bei Felgenbremsen nicht ausgetauscht werden. Hydraulische Scheibenbremsen liefern bei allen Witterungsbedingungen gleichbleibend gute Bremseigenschaften.

Die Nachteile einer hydraulischen Scheibenbremse sind ein zunächst oft hoher Preis für Anschaffung und mögliche Reparatur. Des Weiteren verlangen Scheibenbremsen ein spezielles Bremsverhalten, da sie ihre beste Wirkung bei kurzem und scharfen Einsatz entfalten. Wenn Du Deine Scheibenbremse zum Beispiel bergab über einen längeren Zeitraum benutzt, kann es zum Bremsfading kommen – dem Nachlassen der Bremswirkung bei starker Hitzeentwicklung. Für manche Fahrer kann die sehr starke Bremsleistung erst einmal überfordernd wirken. Um das zu beheben, bieten viele E-Bikes ein ABS.

Hydraulische Felgenbremse

Die hydraulische Felgenbremse hat sich seit Erfindung im Jahr 1987 nur wenig verändert. Auch heute noch ist die legendäre Magura HS Felgenbremse an vielen mechanischen und elektrischen Zweirädern zu finden. Durch die Bauweise einer hydraulischen Felgenbremse hat sie kaum Reibungsverluste und ist über viele Jahre wartungsfrei.

Die Verzögerung einer hydraulischen Felgenbremse ist deutlich besser, als die einer mechanischen Bremse und Du brauchst genau wie bei einer Scheibenbremse wenig Handkraft für starke Bremsleistungen. Eine hydraulische Felgenbremse ist auch nach längerer Standzeit noch problemlos zu benutzen und es ist kein Ölwechsel nötig. Anders als bei Scheibenbremsen musst Du für eine Felgenbremse nicht Dein Bremsverhalten ändern und es kann nicht zu Bremsfading kommen.

Auch wenn der Reibungsverschleiß einer Felgenbremse gering ist, kommt es bei längerer Benutzung doch zu Abrieb an den Bremsbelägen. Diesen Verschleiß musst Du per Einstellrädchen von Zeit zu Zeit ausgleichen. Bei Nässe und starken Gefällen bieten hydraulische Felgenbremsen nicht so gute Bremseigenschaften wie korrekt benutzte Scheibenbremsen.

Wartung und Pflege von Bremsen beim E-Bike

Um eine lange Lebensdauer und ein verlässliches Bremsverhalten Deiner E-Bike Bremse zu garantieren, ist regelmäßige Pflege und Wartung zu empfehlen. Du solltest Scheiben und Beläge regelmäßig von Schmutz befreien. Dafür empfiehlt es sich spezielle Pflegeprodukte zu verwenden, denn unqualifizierte Schmiermittel und Fette können gerade bei Bremsscheiben die Bremswirkung reduzieren.

Zu Saisonbeginn solltest Du Bremsbeläge oder Deine Bremsscheiben auf Verschleiß kontrollieren. Das kannst Du selbst machen oder Du bringst Dein E-Bike in eine Fachwerkstatt, die die Bremseinstellung und den Flüssigkeitsstand überprüfen kann. Du kannst auch selbst Deine Scheibenbremse oder Felgenbremse einstellen, wenn es quietscht oder sich etwas durch einen Kontakt verschoben hat.

Was ist denn nun die beste Bremse für mein E-Bike?

Hydraulische Scheibenbremsen sind bei vielen E-Bikes auf dem Vormarsch und werden oft gesondert als besonderes Feature angepriesen. Hydraulische Scheibenbremsen bieten sehr verlässliche und starke Bremseigenschaften, an die Du Dich aber erst einmal gewöhnen musst. Aber nicht jede Scheibenbremse ist gleich besser als eine Felgenbremse oder Rücktrittbremse. Hier können Bremsentests eine gute Quelle sein, um die Verlässlichkeit Deiner potenziellen Bremse einschätzen zu können.

Wie eingangs bereits erwähnt hat Dein E-Bike Hersteller in 99 % der Fälle bereits für Dich die richtige Bremse gewählt, wenn das E-Bike auch sonst Deinen Anforderungen gerecht wird. Wenn Deine Bremse trotzdem oft über ihrem Limit arbeitet, kann eine Auf- oder Umrüstung natürlich sinnvoll sein. Letztlich ist definitiv der Fahrkomfort nicht zu missachten, der manche Fahrer trotz schlechteren Eigenschaften zur Rücktrittbremse verleitet. Eine Probefahrt empfehlen wir, um die verschiedenen Bremstypen kennenzulernen.