Verkehrsregeln für E-Bike Fahrer

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass der Fahrradboom weiterhin anhält. Egal ob mit elektrischer Unterstützung oder ohne: immer mehr Menschen in Deutschland erledigen tägliche Wege auf zwei Rädern. Das kommt nicht nur der eigenen Fitness, sondern natürlich auch dem Städteklima entgegen. Um das Radfahren zu fördern, gab es in den letzten Jahren einige Novellen, die unsere Städte und Kommunen fahrradfreundlicher machen sollen.

Nichtsdestotrotz ist gerade in großen Städten (E)-Biken oft noch gefährlich und deshalb ist es wichtig, dass Du richtig im Bilde bist, welche Regeln für Dich als Radfahrer gelten. Zunächst einmal wollen wir Dir zeigen, welche rechtlichen Unterschiede es zwischen „normalen Fahrrädern“, E-Bikes, Pedelecs und S-Pedelecs gibt. Anschließend beleuchten wir wichtige Verkehrsregeln und Verkehrsschilder, die für alle Zweiräder gelten und abschließend schauen wir, was speziell auf E-Bikes, Pedelecs und Co. zutrifft.

Unterschied Fahrrad, (S)-Pedelec und E-Bike

Auf unserer Website reden wir oft abwechselnd von E-Bikes oder Pedelecs, meinen damit im genauen aber immer ein Pedelec. Der Begriff des E-Bikes hat sich in den letzten Jahren als Synonym für Pedelecs durchgesetzt, und so findest Du in unserem Sortiment ausschließlich Pedelecs und keine E-Bikes, auch wenn wir gerne von E-Bikes sprechen.

Was ist denn nun der Unterschied zwischen E-Bikes und Pedelecs? Rechtlich ist ein E-Bike aber etwas anderes als ein Pedelec: Ein E-Bike fährt auch ohne Pedalunterstützung auf Knopfdruck und gilt daher ab einer Geschwindigkeit von 6 km/h nicht als Fahrrad sondern als Kraftfahrzeug. Für ein E-Bike wird ein Versicherungskennzeichen und mindestens eine Mofa-Prüfbescheinigung (bei leistungsstärkeren Bikes eine Fahrerlaubnis der entsprechenden Klasse) benötigt.

Der Begriff Pedelec steht für Pedal Electric Cycle. Pedelecs liefern anders als E-Bikes die Motorenunterstützung nur dann, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Erfolgt diese Unterstützung bis 25 km/h gilt ein Pedelec als Fahrrad – also gelten für Pedelecs die gleichen rechtlichen Regeln wir für „normale“ Fahrräder. Verkehrsschilder, die ein Fahrrad zeigen schließen also auch Pedelecs mit ein. Pedelecs gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen: Bei uns findest Du City-, Trekking-, Mountainbike-, Klapp- und Lasten-Pedelecs, aber es gibt noch viele mehr.

Wenn der Motor bei Pedalbewegung eine Unterstützung bis zu 45 km/h liefert spricht man von einem S-Pedelec. Solche S-Pedelecs sind rechtlich gesehen kein Fahrrad, sondern ein Kraftrad. Das bedeutet ein Mindestalter von 16 Jahren, die Fahrerlaubnis Klasse AM, eine Zulassung, Versicherung inklusive Versicherungskennzeichen, sowie die Helmpflicht. S-Pedelecs darfst Du unter keinen Umständen auf Fahrradwegen benutzen, sondern musst auf der Straße fahren. Schilder, die sich auf Fahrräder beziehen schließen S-Pedelecs nicht mit ein, sofern diese nicht explizit erwähnt sind.

Fahrradstraßen und Fahrradzonen

So wie Hauptverkehrsstraßen zur Bündelung des Autoverkehrs dienen, dienen die seit 1997 existierenden Fahrradstraßen zur Bündelung des Radverkehrs. Auf diesen Fahrradstraßen sind Fahrräder, Pedelecs und E-Scooter erlaubt und haben Priorität. Das bedeutet, dass Radler bei einer Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h nebeneinander fahren dürfen: ein klarer Unterschied zu einer Tempo 30 Zone, denn hier ist das Nebeneinanderfahren nur erlaubt, wenn dadurch der Verkehr nicht behindert wird.

Zu den Vorteilen einer Fahrradstraße gehört, dass der Radverkehr deutlich mehr Platz bekommt, denn die gesamte Fahrbahnbreite ist für den Radverkehr ausgewiesen und nicht nur schmale Radwege. Zudem lässt es sich durch die Priorisierung in Fahrradstraßen deutlich sicherer auf einem Pedelec fahren. Zusatzschilder unter dem Schild der Fahrradstraße können andere Verkehrsteilnehmer wie E-Bikes, S-Pedelecs und PKWs miteinschließen.

Sofern Autos in der Fahrradstraße erlaubt sind, dürfen diese nicht drängeln und müssen sich dem Radverkehr unterordnen: das heißt der Radverkehr darf auch beim Nebeneinanderfahren unter keinen Umständen gefährdet werden. Die Vorfahrtsregeln ändern sich in einer Fahrradstraße nicht, also gilt sofern nicht anders beschildert rechts vor links. Sofern es nicht anhand von Schildern verboten ist, dürfen Autos und Motorräder in Fahrradstraßen parken.

Das Verkehrsschild für eine Fahrradzone gibt es erst seit der Fahrrad-Novelle von 2020. Dieses Schild signalisiert, dass in dem folgenden Bereich die gleichen Regeln gelten wie in einer Fahrradstraße nur ausgedehnt auf eine ganze Zone. So gibt es beispielsweise in Bremen über 12 Straßen mit einem Straßenraum von 2,5 Kilometern, die seit 2020 als Fahrradzone gelten.

Spielstraßen, Fußgängerzonen und Zebrastreifen

In einer Spielstraße haben sowohl Fahrradfahrer als auch Autofahrer keinen Zutritt. Eine Spielstraße ist mit dem Verkehrszeichen 250 sowie mit einem Zusatzschild, das ein ballspielendes Kind zeigt, gekennzeichnet. Diese Straßen sind ausschließlich Fußgänger und spielenden Kindern vorbehalten.

Das Zeichen 325.1 mit einem Fußgänger, spielenden Kind, Haus und Auto auf blauem Grund würden die meisten Menschen als Spielstraße bezeichnen. Dieses Zeichen steht aber für einen verkehrsberuhigten Bereich, in dem das Fahren von Autos, Pedelecs, E-Bikes und Co. erlaubt ist. Allerdings muss Schrittgeschwindigkeit (4 bis 10 km/h) eingehalten werden und das Parken von Fahrzeugen ist nur in dafür vorgesehenen Bereichen erlaubt.

In Fußgängerzonen dürfen Radfahrer nur fahren, wenn diese mit einem Schild für den Radverkehr freigegeben wurde. Wenn die Fußgängerzone nicht für den Radverkehr freigegeben wurde, drohen Dir Bußgelder ab 15 Euro. Wenn eine Fußgängerzone oder ein Gehweg für den Radverkehr ausgewiesen sind darf hier trotzdem nur Schrittgeschwindigkeit, also maximal 10 km/h gefahren werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind Zebrastreifen. Als Fußgängerüberweg haben auf diesen Wegen Fußgänger Vorrang und müssen auch von Pedelec-Fahrern vorgelassen werden. Ein verbreiteter Irrtum ist, dass auch Pedelec- und Fahrrad-Fahrer bei Benutzung von Zebrastreifen Priorität haben. Dem ist nicht so und Zweirad-Fahrer müssen vom Rad absteigen und es über den Zebrastreifen schieben, um das Vorrecht zu erhalten.

Wichtige Verkehrsschilder für Pedelec-Fahrer und Radler

Im Straßenverkehr begegnen Dir einige Verkehrsschilder die wichtig sind, um sicher voranzukommen und Andere zu schützen. Im folgenden Abschnitt wollen wir Dir kurz die wichtigsten Verkehrszeichen vorstellen, die speziell für Radfahrer gelten. Andere Verkehrschilder wie zum Beispiel Vorfahrt gewähren oder ein Stoppschild musst Du natürlich weiterhin beachten, aber wir hoffen, dass hast Du bisher auch schon getan.

Ausgewiesener Fahrradweg (Verkehrszeichen 237): Auf ausgewiesenen Fahrradwegen herrscht eine Benutzungspflicht für Fahrräder und Pedelecs – das Fahren auf der Straße ist also verboten.

Gemeinsamer Geh- und Fahrradweg (Verkehrszeichen 240): Genau wie bei einem ausgewiesenen Fahrradweg gilt auch für den gemeinsamen Geh- und Radweg eine Benutzungspflicht für Pedelec-Fahrer.

Getrennter Geh- und Radweg (Verkehrszeichen 241): Bei getrennten Geh- und Radwegen haben Fußgänger und Radfahrer ihre eigenen Bereiche, aber gerade als Pedelec-Fahrer muss man auf die Fußgänger achten.

Radfahrer frei (Zusatzzeichen 1022-10): Das Zusatzschild „Radfahrer frei“ ermöglicht die Benutzung von Gehwegen und Fußgängerzonen mit Fahrrad und Pedelec. S-Pedelecs und E-Bikes sind mit diesem Schild nicht gemeint!

Verbot für Radverkehr (Verkehrszeichen 254): Genau wie bei anderen runden Schildern mit rotem Rand zeigt dieses Schild ein Verbot an, diesmal spezifisch für Radfahrer.

Fahrradstraße (Verkehrszeichen 244): In dieser Straße sind PKWs nur erlaubt, wenn dieses mit einem Zusatzschild (1024-10) angezeigt wird. Die Höchstgeschwindigkeit in einer Fahrradstraße beträgt für alle Verkehrsteilnehmer 30 km/h und das Nebeneinanderfahren von Radfahrern ist ausdrücklich erlaubt.

Fahrradzone (244.3/ 244.4): Dieses Schild zeigt an, dass in der nachfolgenden Zone die gleichen Regeln wie in einer Fahrradstraße gelten nur auf mehreren zusammenhängenden Straßen.

Verbot des Überholens von einspurigen Fahrzeugen (277.1/281.1): Ein weiteres neues Schild verbietet es mehrspurigen Kraftfahrzeugen einspurige Fahrzeuge wie E-Bikes und Pedelecs zu überholen.

Verkehrsberuhigter Bereich (325.1/325.2): In einem verkehrsberuhigten Bereich müssen E-Bike und Pedelec Fahrer wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch Schrittgeschwindigkeit fahren.

Haifischzähne (342): Diese Haifischzähne sind kein Verkehrsschild, heben aber eine Wartepflicht an Kreuzungen und Einmündungen hervor. Haifischzähne auf der Fahrbahn regeln anders als Schilder nicht die Vorfahrt.

Radschnellweg (350.1): Dieses neue Schild ist allgemein als Fahrradautobahn bekannt und gibt an, dass es sich im folgenden Abschnitt um einen Radschnellweg handelt. Neben dem Schild findet man oft weiße Randmarkierungen und grüne Piktogramme auf der Fahrbahn eines Radschnellweges.

Grünpfeilschild mit Beschränkung auf den Radverkehr (721): Dieses Zusatzschild erlaubt Radfahrern das Rechtsabbiegen während einer Rotphase auf Schutzstreifen, Radfahrstreifen oder baulich angelegten Radwegen.

Radverkehr von links und rechts & Radfahrer im Gegenverkehr (Zusatzzeichen 1000-32 und -33): Diese Schilder treten meist in Kombination mit einer Einbahnstraße auf und zeigen an, dass Radfahrer auch entgegen der Fahrtrichtung in die Einbahnstraße einfahren können bzw. warnen andere Verkehrsteilnehmer vor entgegenkommenden Fahrrädern und Pedelecs.

Radfahrer absteigen (Zusatzzeichen 1012-31): Dieses Schild ist eine Empfehlung und bittet Radfahrer für den kommenden Strecke abzusteigen. Da dieses Schild nicht in der StVO verankert ist kann das Nichteinhalten nicht mit einem Bußgeld belangt werden.

Durchlässige Sackgasse (Verkehrszeichen 357.1): Diese Art des Sackgassenschilds weist darauf hin, dass am Ende der Sackgasse ein Durchgang für Radfahrer und Fußgänger vorhanden ist.

Zusatzschild für S-Pedelecs (Zusatzschild 1010-65): Wenn dieses Zeichen an Schilder angebracht sind, sind hier S-Pedelecs und E-Bikes auch erlaubt.

No-Gos beim Pedelec-Fahren

Beim Fahren eines Pedelecs gibt es ein paar NoGos, die Du unbedingt vermeiden solltest, wenn Du nicht ein hohes Bußgeld erhalten oder Dich selbst in Gefahr bringen möchtest. So darfst Du ein Pedelec, genau wie ein „normales“ Fahrrad, mit einem Alkoholspiegel von bis zu 1,6 Promille nutzen.

Wir raten Dir aber auch schon mit weniger als 1,6 Promille davon ab ein Pedelec zu benutzen, da die hohen Geschwindigkeiten und vor allem die schnelle Beschleunigung schon im nüchternen Zustand gefährlich werden können. Für S-Pedelecs und E-Bikes gilt mit 0,5 Promille übrigens die gleiche Grenze wie für PKWs.

Solltest Du einen dringenden Anruf während des Pedelec-Fahrens erledigen müssen, solltest Du diesen auf später verschieben. Erst einmal natürlich aus Sicherheitsgründen, aber auch weil Du ein Bußgeld von 55 Euro zu erwarten hast, wenn Du erwischt wirst. Für S-Pedelec-Fahrer ist beim Handy am Lenker an Bußgeld von 100 Euro fällig.