Mit dem E-Bike sicher unterwegs

Pedelecs, allgemein als E-Bikes bekannt, werden immer beliebter. Im letzten Jahr sind sowohl beim Händler des Vertrauens zusammengenommen Millionen neue Modelle nur in Deutschland verkauft worden. Die Verkehrsunfälle mit Pedelec-Beteiligung sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Das liegt zum einen an der teils mangelhaften Fahhradinfrastruktur in deutschen Städten – inklusive unübersichtlicher Verkehrssituationen und nichtexistenten Fahrradwegen. 

Ein anderer wichtiger Aspekt ist das eigene Fahrverhalten auf dem Pedelec. Das beginnt oft schon vor der eigentlichen Fahrt, aber das richtige Fahrverhalten kann Dir im Extremfall das Leben retten. In diesem Beitrag wollen wir Dir nahebringen, wie Du Dich am besten auf Deinem Pedelec verhältst, um sicher durch den Alltag radeln zu können. 

Vor der Fahrt

Zunächst würden wir Dir gerne empfehlen, dass Du vor Deiner ersten Fahrt mit Deinem E-Bike ein Fahrsicherheitstraining bei einem lokalen Fahrradverein Deiner Wahl machst. Diese Kurse werden oft in Kooperation mit der Polizei speziell für Pedelecfahrer angeboten und auch erfahrene Fahrradfahrer können noch etwas lernen. 

Bevor Du Dich in den Straßenverkehr wagst, sollte an Deinem E-Bike natürlich alles funktionsfähig sein: Licht, Bremse, Kette und Reifendruck sollten einwandfrei funktionieren. Aber auch Deine Sitzhöhe und die Einstellung Deines Rahmens sind wichtige Faktoren, damit Du sicher auf Deinem Pedelec sitzt. 

Von zu Hause aus kannst Du vor Deiner Fahrt auch schon einmal Deine Route nach möglichen schwierigen Situationen absuchen. Anwendungen wie gefahrenstellen.de können Dir helfen, die für Dich richtige Route auszusuchen. Das hört sich vielleicht nach viel Aufwand an, aber gerade bei neuen Strecken kann sich eine kurze Suche im Internet lohnen.

Defensiv und überlegt fahren

Dein Fahrstil hat große Auswirkungen auf Deine Sicherheit im Straßenverkehr. Du solltest generell defensiv und überlegt fahren, auch wenn Dich Dein starker E-Antrieb vielleicht dazu verleitet schneller zu fahren. Wenn Du die Verkehrslage nicht richtig einschätzen kannst, zum Beispiel an einer Ampel, kann es hilfreich sein eine Rotphase länger zu warten. 

Viele Fahrradunfälle passieren durch das sogenannte Dooring, also dadurch, dass ein parkender Autofahrer die Tür unerwartet aufmacht. Einmal für alle Autofahrer: Verwendet beim Aussteigen bitte den holländischen Griff – Als Fahrer die Tür mit der rechten Hand öffnen, damit sich automatisch das Blickfeld erweitert und so anfahrende Radfahrer erkannt werden können. 

Als (E)-Bike Fahrer gilt: Wenn möglich halte ca. 80 cm Abstand zur Reihe der parkenden Autos. Wenn das nicht möglich ist, lohnt es sich vorrausschauend zu fahren: Hast Du gerade gesehen wie das Auto eingeparkt hat? Das ist ein gutes Zeichen dafür, dass gleich die Tür aufgehen wird.

Der vorgeschlagene 80 cm Abstand zum Bordstein wird in Städten gerne durch verlaufende Straßenbahnschienen erschwert. An Hindernissen wie Straßenbahnschienen oder Bordsteinen passieren auch einige Unfälle, denn aktuell sind ca. ein Viertel der Fahrradunfälle sogenannte Alleinunfälle. 

Wenn der Platz zwischen Schiene und Bordstein zu eng wird, dann überquere diese mit niedriger Geschwindigkeit im stumpfen Winkel, um zwischen den beiden Schienen komfortabel fahren zu können. Für die Überquerung von Bordsteinen brauchst Du kein Mountainbike: Du fährst im stumpfen Winkel an den Bordstein heran und richtest Dich aus der sitzenden Position etwas auf. Im richtigen Moment musst Du mit einem kleinen Impuls Dein Vorderrad über den Bordstein „lupfen“. Das kannst Du gut an flachen Bordsteinen üben.

Rad- und Autofahrer

Als Fahrer eines E-Bikes geht die größte Gefahr von Autofahrern aus. Gerade beim Rechtsabbiegen besteht eine erhöhte Gefahr, dass Du übersehen wirst. Das gilt vor allem nachts, denn da übersieht man das Fahrradlicht schnell zwischen den anderen grellen Lichtern der Stadt. Ausreichende Beleuchtung und entsprechende Kleidung erhöhen definitiv Deine Chance bei Fahrbahnüberquerungen gesehen zu werden, aber wenn das Auto neben Dir rechts abbiegen möchte, nützt auch das manchmal nichts.

Deshalb ist es besonders wichtig, dass Du Dich in den Autofahrer hineinversetzt und genügend Abstand wahrst. Wenn Du siehst, dass geblinkt wird oder Du und das Auto vor Dir auf eine Kreuzung zufahrt verlangsame Deine Geschwindigkeit und halte Abstand, denn wenn Du einmal im toten Winkel bist, kann es für Dich schmerzhaft enden. Übrigens kann es auch am Tag von Vorteil sein mit Licht zu fahren, um Deine Sichtbarkeit zu erhöhen. Da die Benutzung des Lichts nur einen minimalen Einfluss auf Deinen Akku hat würden wir das definitiv empfehlen.

Bremsweg und Helme

Bei einem Fahrsicherheitstraining für Pedelecs wird besonderen Wert gelegt auf das richtige Bremsen und das auch mit gutem Grund. Die richtige Bremstechnik erlaubt es Dir schneller zum Stehen zu kommen. Von E-Bikes mit Rücktrittbremsen ist abzuraten, da diese Bremsart weniger verlässlich ist. 

Aber wie geht das, das richtige Bremsen? Du solltest immer mit beiden Händen bremsen: Dafür reichen bei den modernen hydraulischen Bremsen oft schon zwei Finger an jeder Seite. Du solltest beim Bremsen leicht aus dem Sitz steigen, damit Du wenn Du zum Stehen gekommen bist direkt absteigen kannst. Von E-Bikes mit Rücktrittbremsen ist abzuraten, da diese Bremsart weniger verlässlich ist. 

Dennoch haben die Technik und Deine Reaktionszeit nur einen begrenzten Einfluss, da die Geschwindigkeit viel entscheidender ist: Bei einer Geschwindigkeit von 25 km/h ist der Bremsweg mehr als doppelt so lang wie bei 15 km/h. Daher empfehlen wir gerade in der Stadt und vor allem bei Nacht, wo die Reaktionszeit schlechter ist, niedrigere Geschwindigkeiten, um Unfälle zu vermeiden.

Ein Helm ist natürlich ein absolutes Muss beim Fahren eines Pedelecs – gerade in der Stadt, aber auch auf unebenem Terrain, wo es zu Stürzen kommen kann. Der richtige Helm schützt Dich vor schweren Kopfverletzungen, weshalb wir das Tragen definitiv empfehlen. Es gibt für Pedelecs keine Helmpflicht, da diese gesetzlich unter „normale Fahrräder fallen. Für E-Bikes und S-Pedelecs besteht eine Helmpflicht.

Fazit

Im Straßenverkehr bist Du als Pedelec-Fahrer auch mit E-Antrieb einem Auto im Extremfall unterlegen. Deshalb raten wir dazu, dass Du gerade bei unübersichtlichen Stellen und im Autogewusel genügend Abstand wahrst und vorausschauend fährst, solange die Situation der Fahrradwege teilweise desaströs bleibt. Vor der Fahrt solltest Du checken, dass alles einwandfrei an Deinem E-Bike funktioniert und Dich gegebenenfalls über die bevorstehende Strecke und mögliche Tücken informieren.